qtec Academy | „Sterilisation mittels Gammabestrahlung" – Questions & Answers aus unseren Seminaren

„Sterilisation mittels Gammabestrahlung” – Questions & Answers aus unseren Seminaren

Die Sterilisation mithilfe von Strahlen ist ein effektives und umweltfreundliches Verfahren mit breitem Einsatzgebiet und hat den Vorteil keine Wärme oder Chemikalien zu nutzen. Der wohl größte Vorteil ist die Zeitersparnis. Das Verfahren erlaubt eine kontinuierliche Durchsatzrate und die zu sterilisierenden Produkte können in der Endverpackung bzw. in komplett bepackten Kartons sterilisiert werden. Dies geht aus der hohen Durchdringungsfähigkeit bei geringer Dosisleistung hervor. Ebenso ist eine hohe Dosisleistung mit beschränkter Eindringtiefe umsetzbar, was bei der Oberflächensterilisation von Produkten Einsatz findet. In Abhängigkeit von der Dosisleistung und der Eindringtiefe ist eine Sterilisation von komplizierten geometrischen Strukturen möglich. Ein weiterer großer Vorteil ist, dass die sterilisierten Produkte direkt nach der Sterilisation mit Strahlung verwendet werden können, da sie nicht abgekühlt oder ausgegast werden müssen. Sterilisation mit Strahlung ist benötigt keine Erhitzung und stellt somit keine oder geringe thermische Belastung für das Sterilisierungsgut dar.

In unserem Online-Seminar zum Thema Sterilisation mittels Gammabestrahlung gibt es regelmäßig viele spannende Fragen zum Thema.

Sie haben gefragt – wir haben geantwortet

Unser Experte, Dr. Lars Dahms, beantwortet viele der Fragen hier auch nochmal schriftlich für Sie.

Das hat die Teilnehmenden besonders interessiert:

Ihre Frage:

„Wieso kann ich Viren nicht über die Keimzahlbestimmung bestimmen, wo sie doch auf Bakterien sitzen?“

Antwort:

„Viren können nicht über eine Keimzahlbestimmung auf einem Nährboden nachgewiesen werden, da sie für ihre Vermehrung auf lebende Wirtszellen angewiesen sind. Um Viren in einer so großen Anzahl zu züchten, dass sie sichtbar sind, benötigt man eine große entsprechende Zahl Wirtszellen. Das Bioburden-Verfahren ist auf das Zählen von lebenden Bakterien und Pilzen ausgelegt und erfasst keine Viren, selbst wenn sie sich auf Bakterien befinden, da sie andere Methoden der Detektion erfordern, wie z. B. PCR oder ELISA.“

Ihre Frage:

„Wird das Paket bei der Gammabestrahlung gedreht oder wird es nach einem Durchgang gedreht und dann erneut bestrahlt?“

Antwort:

„Die Bestrahlung des Sterilguts erfolgt in der Regel durch eine Bewegung des Pakets an der Strahlenquelle, um eine gleichmäßige Dosisverteilung zu gewährleisten. In vielen Fällen wird das Sterilgut einmal durch den Strahl geführt, dann gedreht und erneut bestrahlt, um sicherzustellen, dass alle Bereiche des Produkts die notwendige Dosis erhalten. Eine Bestrahlung von mehreren Seiten begünstigt auch eine gleichmäßig Bestrahlung bei komplex geformten Produkten oder größeren Beladungen.“

Ihre Frage:

„Sehen Benannte Stellen auch dort Abweichungen in der Technischen Dokumentation (TD), wenn diese formal den Anforderungen entsprechen?“

Antwort:

„Benannte Stellen überprüfen die Technische Dokumentation (TD) nicht nur auf formale Übereinstimmung mit den regulatorischen Anforderungen, sondern auch auf deren wissenschaftliche und technische Vollständigkeit und Genauigkeit. Wenn beispielsweise bestimmte Daten oder Verfahren in der TD formal den Anforderungen entsprechen, aber im Kontext des Produkts oder des angewandten Verfahrens nicht schlüssig oder ausreichend sind, könnten Benannte Stellen dennoch Abweichungen feststellen und zusätzliche Nachweise oder Klarstellungen verlangen.“

Ihre Frage:

„Warum bestimmt man einen initialen Bioburden bei der Validierung (Gamma)?“

Antwort:

„Der initiale Bioburden wird bei der Validierung der Gammasterilisation nach den VDmax-Methoden und Verfahren 1 bestimmt, um die erforderliche Strahlendosis zu ermitteln. Je höher der initiale Bioburden, desto mehr Strahlung wird benötigt, um einen wirksame Sterility Assurance Level (SAL) zu erreichen. Die Bestimmung des initialen Bioburdens hilft dabei, die genaue Strahlendosis für das Verifikationsexperiment festzulegen, die notwendig ist, um sicherzustellen, dass das Produkt einen bestimmten SAL erreicht.“

Ihre Frage:

„Muss zusätzlich zum Nachweis der Funktionsfähigkeit eines Produktes nach der Bestrahlung auch das Material selbst auf Beständigkeit geprüft werden?“

Antwort:

„Ja, es ist notwendig, neben der Funktionsfähigkeit des Produkts auch die Materialbeständigkeit zu prüfen. Gammabestrahlung kann das Material von Medizinprodukten beeinflussen, insbesondere Kunststoffmaterialien, die unter Umständen spröde werden, sich verfärben oder ihre mechanischen Eigenschaften verlieren können. Die Prüfung der Materialbeständigkeit stellt sicher, dass das Produkt seine Funktion und Integrität auch nach der Sterilisation und während seiner gesamten Lebensdauer behält.“

Ihre Frage:

„Bilden normale Aging-Tests die Materialbeständigkeit ab?“

Antwort:

„Alterungstests sind darauf ausgelegt, das Verhalten eines Produkts über die Zeit zu simulieren. Diese Tests können teilweise auch Hinweise auf die Materialbeständigkeit geben. Wenn man Alterungstests durchführt ist zu beachten, dass man nicht nur beschleunigt gealterte Muster verwendet, sondern auch Echtzeit-gealterte. Zudem sollten die Testmuster auch den seriellen Zustand einschließlich zu erwartender Belastungen repräsentieren, d.h. diese sollten verpackt und sterilisiert sein und auch die Transport- und Lagerbedingungen erfahren haben.

Wenn man die Veränderungen durch die Gammabestrahlung selbst ermitteln will, empfiehlt sich, spezifische Tests zur Materialdegradation nach der Bestrahlung durchzuführen.“

Ihre Frage:

„Gibt es Mischbeladungen in der Bestrahlungskammer?“

Antwort:

„Mischbeladungen sind möglich, wenn man die Referenzbeladung aus der Sterilisationsvalidierung als Bezug rechtfertigen kann. Eine variierende Beladungskonfiguration darf nicht zu Über- oder Unterbestrahlung führen.

Mischbeladung in dem Sinne, dass der Anlagenbetreiber verschiedene Sterilgüter zusammenstellt, sind nicht üblich und wären nicht durch die Validierung abgebildet.“

Ihre Frage:

„Was ist die sinnvolle Anzahl an Produkten für einen Bioburden- und/oder LAL-Test, wenn Produkte in Produktgruppen integriert werden sollen?“

Antwort:

„Die sinnvolle Anzahl von Produkten für Bioburden- oder LAL-Tests hängt von der Produktgruppe und der Variabilität innerhalb der Gruppe ab. In der Regel werden repräsentative Stichproben aus jeder Produktgruppe getestet, um sicherzustellen, dass die Testergebnisse auf alle Produkte innerhalb der Gruppe übertragbar sind. Für den Bioburden-Test sind oft 10-30 Proben ausreichend, abhängig von der Komplexität des Produkts und dem Risikoprofil. Bei kleinen Produktionsmengen genügen auch 3-5 Proben. Bei LAL-Tests (Endotoxin-Test) müssen Proben aus allen relevanten Produktbereichen getestet werden, um die Konsistenz zu gewährleisten.“

Ihre Frage:

„Wieso sollte ich auf anaerobe Bakterien testen, die sollten doch tot sein?“

Antwort:

„Viele anaerobe Bakterien können in Umgebungen mit Sauerstoff überleben. Es ist möglich, dass diese Bakterien vor der Sterilisation auf dem Produkt vorhanden sind. Die Obwohl die Gammabestrahlung eine sehr wirksame Methode zur Abtötung von Bakterien ist, einschließlich anaerober Bakterien, ist es Teil der Bioburden-Tests, auch das Vorhandensein solcher Bakterien vor der Sterilisation zu überprüfen, um die Ausgangsbelastung umfassend zu verstehen und den Sterilisationsprozess korrekt anzupassen.“

Ihre Frage:

„Was ist der Akzeptanzwert für die Anzahl an anaeroben Bakterien?“

Antwort:

„Es gibt keinen allgemeinen Akzeptanzwert für anaerobe Bakterien in den relevanten Normen im Bioburden (bei sterilen Produkten dürfen natürlich keine vorhanden sein). In der Regel sollte der Bioburden, einschließlich anaerober Bakterien, so niedrig wie möglich sein. Wichtig ist festzustellen, dass es nicht mehr obligat anaerobe Keime gibt, als die in der Routine unter den gewählten Bedingungen (aerob) erfassten Keime.“

Unser Service für Sie:

Benötigen Sie Unterstützung? Unsere Expert*innen helfen Ihnen gerne weiter und unterstützen Sie in allen Bereichen der Sterilisation von Medizinprodukten.

Kontaktieren Sie uns gerne unter info@qtec-group.com und vereinbaren Sie ein kostenfreien Beratungsgespräch.

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